Der Kampf gegen den Berg
Dominik Ochs 05.April 2011 Der Kampf gegen den Berg
Es waren Sommerferien, als ich morgens um sieben Uhr aufwachte, strahlte mir die Sonne mit all ihrer Kraft entgegen. Und ich fand mich in meinem Bett wieder. Wir waren zwei Tage zuvor angereist und befanden uns in unserer Ferienwohnung im Allgäu. Es war ein perfekter Tag, die Sonne schien, kein Wölkchen war am Himmel zu sehen. Lediglich ein paar Kondensstreifen, die die Flugzeuge hinterließen. Wir, also ich und mein Vater, hatten Großes vor. Nach einem ausgewogenen Frühstück wollten wir das 1996 Meter hohe Rubihorn erklimmen. So kam es auch. Mit dem Auto fuhren wir an den Fuß des Berges.
Es hatte 18 Grad, als wir um 9 Uhr auf 800 Meter unsere Reise begannen. Ich dachte fröhlich: "Endlich geht es los, denn das ist ja mein Lieblingsberg im ganzen Allgäu." Wir liefen im Wald Richtung Alp. Es war sehr anstrengend, da es sehr steil aufwärts ging. Aus diesem Grund redete ich nicht viel mit meinem Vater.
Nachdem wir ein ganzes Stück an dem Bach, der von Wasserfällen gesäumt war, entlanggelaufen waren, kamen wir schließlich auf eine grasige Fläche, die einer Prärie glich. Meine Vorfreude auf den Gipfel stieg mit jedem Meter, den ich ging. Auf der fast geraden Fläche konnte ich erstmals mit meinem Vater reden. Ich fragte: "Wann sind wir oben?" Darauf die Antwort: "In drei Stunden." Ich dachte: "Oh. Mann, das ist ja noch ganz schön lang." Als die Alp hinter einem vereinzelnd stehenden Baum hervorkam, wurde ich zunehmend schneller und optimistischer. Mein Vater betonte: "Lauf nicht zu schnell, das wird dich nachher Energie kosten." Nun joggte ich schon fast und ich sah ein, dass ich langsamer tun sollte.
Nach einer kurzen Pause an der Alp ging es hinauf zum Alpsee. Aber der Weg war erschwerlich. An einer fast senkrechten Felswand stürzte der Bach, den wir zuvor entlang marschiert waren, in die Tiefe. Wir kamen nur hoch, indem wir einem Trampelpfad mit vielen Serpentinen folgten.
Auf einmal traute ich meinen Augen nicht, als ich vor meinem Papa einen Wasserfall sah, der undurchdringlich schien. Er floss an einem Felsen hinunter, zu meinem Bedauern ging der Pfad auf der anderen Seite weiter. Ich rief zu meinem Vater, der gerade dabei war sich eine Lösung zu überlegen: "Schau mal, da hängt ein Stahlseil am Fels, wir müssen es benutzen." Mein Vater, akrobatisch wie er ist, griff das nasse Seil, stemmte seine kräftigen Füße in den nassen und glitschigen Fels und ging hinüber. Das sah ziemlich gefährlich aus. Mein Papa musste schreien, weil der Wasserfall unter uns höllischen Lärm anrichtete. Er schrie: "Das ist gar nicht so schlimm, wie es aussieht." Ich hatte höllische Angst, ich dachte: "Das ist ja lebensgefährlich, aber, nun gut, ich war derjenige, der hier hoch wollte, ich werde Papa nicht enttäuschen." Jetzt nahm ich all meinen Mut zusammen und griff voller Entschlossenheit das Seil. Gut koordiniert stellte ich einen Fuß nach dem anderen in die denkbar beste Möglichkeit im Fels. Das Wasser lief mir über die Hände, es war eiskalt, meine Schuhe wurden nass. Es war fast so, als wollte der Berg nicht, dass ich den Wasserfall passiere.
Aber all seine Bemühungen sollten vergeblich sein, denn ich hüpfte auf den trockenen Lehmboden des Pfades. Mein Vater gratulierte mir. Ich sagte: "Prüfung 1 wäre geschafft," und wir lachten. Nach ein paar Kurven, die nach oben gingen, erblickte ich den wunderschönen, im Sonnenlicht glänzenden Bergsee, auf den ich sehnsüchtig gewartet hatte. Hier legten wir Pause Nummer zwei ein.
Es wurde beim steilen Aufstieg immer felsiger und auch die Büsche verschwanden. Als das hellbraune Gras fast verschwunden war, ragte das Gipfelkreuz rechts oberhalb eines 40 Meter hohen Felsen vor uns auf. Wir mussten um den Felsen herum nach oben. Es ging nun 90 Grad an einem riesigen Stein nach oben, an dem Nägel eingeschlagen waren, auf die man sich stellen musste.
Auf dem Grad angekommen, war der Weg gerade mal 10 cm breit und links an dem Felsen hing ein dickes Stahlseil zum Festhalten. Mein mutiger Vater ging voraus, dicht gefolgt von mir. Auf einmal rutschte der Stein, auf dem ich stand, ab, den Abhang hinunter. Ich schrie laut auf und dachte: "Das war's, jetzt ist es aus." Ein Adrenalinstoß raste durch meinen Körper. Im letzten Moment, bevor ich den Hang hinunter fallen konnte, schoss meine Hand in Richtung Stahlseil und packte es. Es bröckelten nur ein paar Steine hinunter. Mein Vater brüllte mich an, während er mich im selben Moment hochzog: "Pass doch auf, Mann oh Mann, du hättest tot sein können." "Naja, immerhin konnte ich mich noch festhalten," erwiderte ich. Hinter der nächsten Kurve war schon das Kreuz. Der Ausblick war überwältigend und ein steiler Weg führte von hier bergab. Nach ein paar Fotos benutzten wir den anscheinend nicht so gefährlichen Weg. Als wir unten waren, hatten wir dieses Abenteuer mit schnellen 5 Stunden geschafft. Wir kehrten zur Wohnung zurück und feierten unseren Erfolg.
